Vortrag „Vorstellung der Bayer-Erinnerungskultur“

Seit rund drei Jahren beschäftigt sich Annemarie Hühne-Ramm in ihrer Funktion als Geschäftsführerin der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung intensiv mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Umgangs der Bayer AG bzw. der I.G. Farbenindustrie mit dem Nationalsozialismus. Die Stiftung wurde von Bayer als gemeinnützige Organisation gegründet, um die Erinnerung an die Verfolgten wachzuhalten, die eigene Unternehmensgeschichte kritisch zu beleuchten und Projekte in den Bereichen Erinnerung, Forschung und Bildung zu fördern.

Dieses anspruchsvolle Thema stand im Mittelpunkt ihres Vortrags im Kasino Leverkusen. Anhand zahlreicher Schaubilder zeigte Frau Hühne-Ramm, in welcher Weise die Bayer AG in die Strukturen der I.G. Farben eingebunden war und welche Rolle das Unternehmen im nationalsozialistischen Herrschaftssystem spielte – Aspekte, die vielen der Anwesenden in dieser Tiefe bislang nicht bekannt waren.

Ein wesentlicher Teil des Vortrags widmete sich der Entstehungsgeschichte der Finkelstein Stiftung, ihren Zielen und ihren vielfältigen Aktivitäten im In- und Ausland. Besonders hervorgehoben wurden Bildungs- und Dialogprojekte, die sich an junge Menschen richten und dazu beitragen sollen, historische Verantwortung, demokratische Werte und Zivilcourage zu stärken.

Bemerkenswert war die Information, dass sich nur ein vergleichsweise kleiner Teil deutscher Unternehmen einer so konsequenten historischen Aufarbeitung gestellt hat. Vor diesem Hintergrund unterstreicht die Bayer AG mit ihrem klaren Bekenntnis die Bedeutung dieses Prozesses.

Es war ein sehr eindrucksvoller und nachdenklich stimmender Abend, aus dem jede und jeder der Teilnehmenden persönliche Erkenntnisse mitgenommen hat – in ganz unterschiedlicher, aber für alle bewegender Weise.

Kurzbeschreibung der Finkelstein Stiftung

Die Hans und Berthold Finkelstein Stiftung gGmbH ist eine von Bayer 2023 gegründete, unabhängige gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Leverkusen. Sie stärkt die Erinnerungskultur im Unternehmen Bayer und fördert Projekte zur Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus, insbesondere zur NS-Zwangsarbeit in der I.G. Farbenindustrie AG.

Zweck und inhaltliche Schwerpunkte

Die Stiftung unterstützt Projekte in den drei Bereichen Erinnerung, Forschung und Resilienz. Dazu zählen unabhängige historische Forschungen, erinnerungskulturelle Initiativen sowie Programme, die demokratisches Handeln und eine verantwortungsvolle Unternehmens- und Führungskultur fördern. Ein besonderer Fokus liegt auf dialogorientierten Bildungsprojekten, die die Widerstandsfähigkeit gegenüber Hass, Diskriminierung und Totalitarismus stärken sollen.

Bezug auf Hans und Berthold Finkelstein

Namensgeber der Stiftung sind Hans und Berthold Finkelstein, deren Biografien exemplarisch für das erlittene Unrecht und die Verfolgung im Nationalsozialismus stehen. Ihre Geschichte wurde im Rahmen von Forschungsarbeiten in den Bayer-Archiven rekonstruiert und bildet heute einen wichtigen Bezugspunkt für die strategische Ausrichtung der Stiftung.

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